Flotten-Kriegsabzeichen

Das Flottenkriegsabzeichen der deutschen Kriegsmarine

Gestiftet am  30. April 1941 durch Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Großadmiral Dr. h.c. Raeder.

 

Stiftungverordnung : ³

 

  1. Im Kampf gegen England haben die Schlachtschiffe und Kreuzer auf weitreichenden, wagemutigen Unternehmungen dem Gegner empfindliche Verluste an Schiffsraum zugefügt und damit den Blockadering um England immer enger gezogen. In Anerkennung dieser Taten ordne ich die Einführung eines Kriegsabzeichens für die eingesetzten Flottenstreitkräfte (Flotten-Kriegsabzeichen) an.
  2. Das Abzeichen kann den Besatzungen (einschließlich der gefallenen oder verstorbenen Soldaten und sonstigen berechtigten Anwärter) der eingesetzten Schlachtschiffe und Kreuzer verliehen werden. Die Verleihung erfolgt durch den Befehlshaber des Verbandes.
  3. Das Abzeichen kann auch an die Besatzungen der sonstigen mit den Flottenstreitkräften eingesetzten Schiffe, für die ein besonderes Kriegsabzeichen bisher nicht vorgesehen ist, verliehen werden, Die Verleihung erfolgt durch den dem Schiff übergeordneten Befehlshaber in der Dienststellung mindestens eines Konteradmirals (Kommodore),
  4. Das Abzeichen wird zur Uniform wie das U-Boots-Kriegsabzeichen 1939 getragen.

 

Berlin, den 30. April 1941.

 

Die Verleihungsbestimmung vom 5. Juni 1941 : ²³

 

I. Allgemeine Bedingungen:

     Würdigkeit, gute Führung.

II.Besondere Bedingungen:

a) Bewährung auf einer oder mehreren Kriegsfahrten von zusammen mindestens 12 Wochen.
b) Von der unter a) festgesetzten Frist kann abgewichen werden:

  1. wenn die Unternehmung besonders erfolgreich war oder der einzelne sich hierbei besonders ausgezeichnet hat oder gefallen ist,
  2. beim Verlust eines Schiffes durch Feindeinwirkung und in besonderen Fällen bei Verwundung,
  3. für die Teilnahme an beiden Gefechten bei Island (“Rawalpindi”) und Jan Mayen.

 III. Verstorbenen, die die Voraussetzungen unter IIa) erfüllt oder annähernd erfüllt haben, kann das Abzeichen nur verliehen werden, wenn ihr Tod die Folge einer Verwundung, eines Unglücksfalles oder einer Erkrankung ist, welche sie während der Feindfahrt erlitten bzw. sich zugezogen haben.

IV. An Besatzungen der sonstigen mit den Flottenstreitkräften eingesetzten Schiffe darf das Kriegsabzeichen nur verliehen werden, wenn solche Schiffe in Verbindung mit Seestreitkräften mit Kampfaufgaben betraut waren.

V. Das Flottenkommando wird ermächtigt, die vorstehend gegebenen Bedingungen, nötigenfalls im Benehmen mit den Kommandierenden Admiralen Nord und Ost, zu ergänzen.

 

Auszug aus dem Ostseestationstagesbefehl vom 15. Juli 1941:

 

  1. Gemäß Ziffer IIId) der Ausführungsbestimmungen wird das Abzeichen an gerettete Besatzungsangehörige folgender Schiffe verliehen: Schlachtschiff “Bismarck”, Kreuzer “Admiral Graf Spee”, Kreuzer “Blücher”.
  2. Gemäß Ziffer IIIa) der Ausführungsbestimmungen sind folgende Unternehmungen als besonders erfolgreich anzusehen:
    Unternehmung Kreuzer “Admiral Hipper” im Februar 1941,
    Unternehmung der Schlachtschiffe “Gneisenau” und “Scharnhorst” im Januar/März 1941

 

Geheimer Ostseestationstagesbefehl vom 28. Oktober 1941:

 

C.

a) Bewährung auf einer oder mehreren Kriegsfahrten außerhalb des Küstenvorfeldes des Heimatgebiets und der besetzten Gebiete von mindestens 12 Wochen.
b) Wird die unter a) festgesetzte Frist (12 Wochen = 12 Punkte, je Woche ohne Kampfhandlungen
= 1 Punkt) nicht erfüllt, so können folgende Unternehmungen anteilmäßig in Anrechnung gebracht werden mit folgender Punktbewertung:

     1. Sämtliche Handelskriegsunternehmungen, auch die abgebrochenen, soweit die Breite von Hornsriff nordwärts passiert war, mit je 1 Punkt.
2. Sämtliche Minenunternehmungen der Kreuzer mit je 2 Punkten.
3. Vorstöße der Kreuzer in der Nordsee mit je 1 Punkt.
4. Marsch nach Norwegen im April 1940 mit 1 Punkt.
5. Besetzung von Norwegen, einbegriffen alle in diesem Zusammenhang stattgefundenen
Kampfhandlungen mit 4 Punkten.
6. Rückmarsch von Norwegen im April 1940 mit 1 Punkt.
7. Jeder weitere Marsch von der Heimat nach Norwegen und zurück, sofern dieser wenigstens bis
zur Breite von Bergen geführt hat, mit 1 Punkt.
8. Durchgeführte Artilleriegefechte mit feindlicher Gegenwehr in See mit )e 4 Punkten (außer
Kämpfen in den Fjorden gemäß Ziffer 5).
9. Erfolgreiche Abwehr feindlicher Großangriffe mit Bomben und Torpedoflugzeugen in See bei
mindestens einem Abschuß mit je 4 Punkten. Kampfhandlungen in Häfen und auf Reeden fallen nicht hierunter.
10. Erfolgreiche Einbringung durch Treffer schwerbeschädigter Schiffe unter schwierigen
Verhältnissen mit 2 Punkten.
11. Beschießung Westerplatte durch “Schleswig-Holstein” am 1. und 7. 9. 39 mit zusammen
3 Punkten.
12. Gefecht mit polnischen Batterien auf Heia von See aus durch “Schlesien” und “Schleswig-
Holstein” am 25. und 27. 9. 39 mit zusammen 4 Punkten.
13. Truppenlandung durch “Schlesien” und “Schleswig-Holstein” im Rahmen Norwegen-
unternehmung mit 1 Punkt.


c) Das Abzeichen kann ferner an Verwundete, die das silberne oder goldene Verwundetenabzeichen
erhalten haben, auf Antrag in Sonderfällen an Schwerverwundete nach unmittelbarer Feindeinwirkung nach Ermessen der Befehlshaber und Kommandanten unmittelbar verliehen werden,
d) Die Geretteten vor dem Feind gesunkener Schiffe können das Abzeichen nach Entscheidung des
Flottenchefs erhalten.
e) Das Abzeichen können ferner erhalten: Die Besatzungsangehörigen von Schiffen, die an besonders erfolgreichen Unternehmungen
teilgenommen haben, auch wenn die Dauer von 12 Wochen nicht erreicht wurde. Welche Unternehmungen als besonders erfolgreich in diesem Sinne anzusehen sind, bestimmt der Flottenchef.
f) Über die Verleihung des Flottenkriegsabzeichens an Besatzungsangehörige von Troßschiffen und
Begleittankern werden die besonderen Verleihungsbedingungen noch gesondert festgesetzt.

 

Befehl des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine (Großadmiral Dr. h.c. Raeder) vom 2. Jahrestag der Norwegenbesetzung:

“…, daß in Würdigung überragender Bedeutung des Unternehmens und in Anerkennung wagemutigen Einsatzes aller beteiligten Schlachtschiffe und Kreuzer die Norwegenunternehmung als besonders erfolgreiche Unternehmung im Sinne der Verleihungsbedingungen für das Flottenkriegsabzeichen gilt.

Damit haben alle Teilnehmer (Besatzungsangehörige) an der Norwegenbesetzung auf den nachstehend genannten Schlachtschiffen und Kreuzern die Verleihungsbedingungen für das Flottenkriegsabzeichen erfüllt: Schlachtschiffe ”Scharnhorst” und ”Gneisenau”, Kreuzer ”Lützow”, ”Admiral Hipper”, ”Köln”, ”Emden”, ”Karlsruhe” und ”Königsberg”.”

 

Ostseestationstagesbefehl vom 31. August 1942:

“Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine hat zum 1.9.1942, dem 3. Jahrestag der Unternehmungen gegen Polen, befohlen, daß in Würdigung des damaligen historischen Einsatzes der Linienschiffe ”Schleswig-Holstein” und ”Schlesien” die Verleihungsbedingungen für das Flottenkriegsabzeichen für die beteiligt gewesenen Besatzungsangehörigen beider Schiffe als voll erfüllt gelten.”

 

Ostsee- bzw. Nordseetagesbefehl vom 16. bzw. 17. März 1944:

“”Tirpitz”-Soldaten, die am Tage der Außergefechtsetzung des Schiffes am 12. 11.1944 an Bord waren und denen das Flottenkriegsabzeichen noch nicht verliehen wurde, reichen zur nachträglichen Verleihung des Kriegsabzeichens umgehend eine Meldung . . . ein”.

 

Das Abzeichen wurde mit einer Urkunde verliehen.

 

Trageverordnung :²³

Das Flotten-Kriegsabzeichen wurde auf der linken Brustseite in und außer Dienst getragen. (Siehe Punkt 4 des Stiftungserlass vom 30. April 1942)

 

Verleihungszahlen :

Unbekannt

 

Interessantes und Wissenswertes : ²

Der Entwurf zum Flotten-Kriegsabzeichen stammt von dem Marinemaler Adolf Bock in Berlin.
In der ersten Zeit wurden die Abzeichen von der Firma Schwerin und Sohn in Berlin hergestellt. Der 1. Auftrag datierte vom 21. Juni 1941 und Anfang August wurden die ersten Abzeichen geliefert.

In einer englischen Privatsammlung (Dr. Hynes in London) befand sich 1967 ein Abzeichen mit Brillianten. Nach vielfältigen jahrelangen Ermittlungen konnte eine Verleihung dieses unzweifelhaft echten Abzeichens nicht festgestellt werden. Es bleibt also die Möglichkeit offen, dass dieses Abzeichen im Kriege für eine mögliche Verleihung vorgesehen und gearbeitet worden war, nach der Kapitulation im Mai 1945 aber entwendet wurde. Es soll als Kriegsbeute durch einen britischen Seemann nach England gebracht worden sein.

 

Bekannte Hersteller :

Eine Liste der bislang bekannten Hersteller findet ihr hier -> Flotten-Kriegsabzeichen

 

Quellen :

  • Dr. Heinrich Doehle : Die Auszeichnungen des grossdeutschen Reichs. Orden, Ehrenzeichen, Abzeichen , Verlag K.D. Patzwall – Norderstedt 2000, (ISBN 3-931533-43-3) ¹

  • Kurt-Gerhard Klietmann : Deutsche Auszeichnungen 2. Band, Verlag “Die Ordens-Sammlung” Berlin²

  • Lexikon der Wehrmacht ³

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