Minensucher

Kriegsabzeichen für Minensuch-, U-Bootsjagd- und Sicherungsverbände

Gestiftet am  31. August 1940 durch den Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Dr. h.c. Raeder.

 

Stiftungserlass vom 11. September 1940 :¹³

Der harte und gefahrvolle Dienst der Minensuch- U-Boot-Jagd- und Sicherungsverbände, die mit ihren kleinen Fahrzeugen im Kampf gegen U-Boot, Minen und Fliegergefahr dauernd den Unbilden der Witterung ausgesetzt sind, verlangt von jeden Mann an Bord vollen Einsatz und hohe Nervenanspannung. Der Dienst ist besonders entsagungsvoll und zermürbend, da der Verwendungszweck es dem Einzelnen in den meisten Fällen nicht ermöglicht, sich im unmittelbaren Kampf gegen den Feind persönlich vor seinen Kameraden auszuzeichnen. In Anerkennung der verantwortungsvollen und erfolgreichen Tätigkeit dieser Streitkräfte ordne ich die Einführung eines Kriegsabzeichens für Minensuch-, U-Boot-Jagd- und Sicherungsverbände an.

 

 

Die Verleihungsbestimmung :¹²³

Das Abzeichen konnte an die Besatzungen aller Minensuch-, U-Boots-Jagd- und Sicherungsverbände verliehen werden. In den Durchführungsbestimmungen zum Stiftungserlaß wurden die Bedingungen
zur Verleihung genannt :

1. Allgemeine Bedinungen :

  • Würdigkeit, gute Führung, keine Arreststrafe in den letzten 6 Monaten.

2. Besondere Bedinungen :

  • a) Teilnahme an 3 Gefechten, oder
  • b) besondere Auszeichnung bei Fahrten im Operationsgebiet oder sonstige hervorragende Einzeltat, oder
  • c) Teilnahme an einer hervorragenden Unternehmung nach Entscheidung des Flottenchefs bzw. Kommandierenden Admirals.

Die mit der Verleihung betrauten Befehlshaber sind ermächtigt, gegebenfalls andere gleichwertige Bedingungen einzusetzen. Das Abzeichen
kann auch verliehen werden an Überlebende eines Bootes, das durch Feindeinwirkung verlorengegangen ist, oder in besonderen Fällen an
Verwundete.

Die Verleihung erfolgt durch den Führer der Minensuchboote, den Führer der Vorpostenverbände, den Führer der Sicherungsverbände,
ferner durch die den übrigen Verbänden übergeordneten Befehlshaber in der Dienststellung eines Konteradmirals (Kommodore).

Der Beliehene erhält ein Besitzzeugnis.

Erweiterte Verleihungsbedingungen :⁵

In den folgenden Monaten und Jahren erließ das Marineoberkommando mehrere ergänzende Verleihungsbedingungen, um auch diejenigen Marinesoldaten zu würdigen, die von den bisherigen Verleihungsbedingungen nicht erfasst worden waren. Diese waren:

23. Mai 1941

Ein Geheimer Ostseestationstagesbefehl betraf eine genauere Definition der Seegebiete, die die Verleihung des Kriegsabzeichens für Minensuch-, U-Boot-Jagd- und Sicherungsverbände eingrenzen sollte. Der Wortlaut dieser Verfügung war:

  • 1. Nordsee:
    • a) Die innere Deutsche Bucht südlich 55° 38′Nord, östlich der Ostgrenze des deutschen Warngebietes (Westwall).
    • b) Das Seegebiet südlich der des deutschen Warngebiets (Westwall) bis 53° Nord.
    • c) Ein 12 sm breiter Streifen längs der jütländischen Küste zwischen 57° Nord und 55° Nord.
  • 2. Ostsee:
    • a) Bis 10. April 1940 die gesamte Ostsee südlich der deutschen Warngebiete an den Ostseeausgängen und an dem Warngebiet Kleiner Belt (Ausnahme siehe unter Nr. 1 Buchstabe c)).
    • b) Ab 11. April 1940 die gesamte Ostsee, die Ostsee-Eingänge und das Kattegatt südlich 58°.
    • c) In der Zeit vom 1. September 1939 bis zum 5. Oktober 1939 die Ostsee nur westlich der Linie Swinemünde-Bornholm.
  • 3. Westen:

Das Seegebiet der Wege Rosa und Rot sowie der Raum vor diesen Wegen küstenwärts außerhalb der Ansteuerungstonnen der Häfen und Flussmündungen.

28. April 1942

Ferner kann das Kriegsabzeichen für Minensuch-, U-Boot-Jagd- und Sicherungsverbände verliehen werden:

  • an die ehemaligen Angehörigen des durch ein Unterseeboot-Torpedo versenkten Artillerie-Schulschiff Brummer. Das Schiff selber war am 14. April 1940 im Kattegat durch britische Seestreitkräfte versenkt worden.

Mitte 1943

Der Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Hermann Göring, verfügte Mitte 1943 mit einem Rundschreiben im Luftwaffenverordnungsblatt, vorbehaltlos die Trage- und Annahmeberechtigung des Abzeichens auch für Angehörige der Marine-Sicherungsverbände (d. h., Ju-52-Besatzungen), die truppendienstlich der Luftwaffe unterstanden. Dies war insofern bemerkenswert, als dass Göring bisher die Annahme von Abzeichen anderer Teilstreitkräfte der Wehrmacht kategorisch untersagt hatte.

 

Trageverordnung :²⁵

Das Abzeichen wurde als Steckabzeichen auf der linken Brustseite in und außer Dienst zu allen Uniformen der Wehrmacht getragen. Es konnte auch zu allen Uniformen der Partei und des Staates getragen werden. Zur bürgerlichen Kleidung durfte eine verkleinerte Form (16 mm Nadel) der Auszeichnung am linken Rockaufschlag getragen werden. Bei Festanlässen war ein dementsprechender Miniaturanhänger zum Frackkettchen statthaft.

 

Interessantes und Wissenswertes :³⁵

Fertigungsbeginn des Abzeichens war der 19.Juli 1940.
Die ersten Verleihungen erfolgten am 28. November 1940.
Künstler : Akademischer Bildhauer Otto Placzek in Berlin.

Nach Verleihung des Eichenlaubes zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes war es in der Kriegsmarine üblich, gleichzeitig auch das zuvor verliehene entsprechende Kampfabzeichen mit Brillanten zu verleihen. Folgt man dieser offiziellen Verleihungspraxis, so wäre das Kriegsabzeichen für Minensuch-, U-Boot-Jagd- und Sicherungsverbände mit Brillanten nur an vier Personen verliehen worden.

  • Fregattenkapitän Karl-Friedrich Brill
  • Kapitän zur See Gerhard von Kamptz
  • Fregattenkapitän Fritz Breithaupt
  • Fregattenkapitän Karl Palmgren

 

Bekannte Hersteller :

Eine Liste der bislang bekannten Hersteller findet ihr hier -> Minensucher

 

Quellen :

  • Marineverordnungsblatt, 71. Jahrgang – Berlin, den 1. Oktober 1940 – Heft 36 – S. 743-744 – Ziffer 676 ¹

  • Dr. Heinrich Doehle : Die Auszeichnungen des grossdeutschen Reichs. Orden, Ehrenzeichen, Abzeichen , Verlag K.D. Patzwall – Norderstedt 2000, (ISBN 3-931533-43-3) ²

  • Kurt-Gerhard Klietmann : Deutsche Auszeichnungen 2. Band, Verlag “Die Ordens-Sammlung” Berlin ³

  • Lexikon der Wehrmacht

  • Wikipedia⁵

  • Minesweeper Badge.net

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